ZKS  
Ansicht der Kammgarnspinnerei Schedewitz im Jahr 1897
 

Historie

Die Zwickauer Kammgarnspinnerei hat seit 1835 in der sächsischen Textilindustrie einen festen Platz. Zwischen Zwickau, der Geburtsstadt Robert Schumanns, und der reizvollen Landschaft des Erzgebirges liegt Wilkau-Haßlau, heute Standort der Zwickauer Kammgarn GmbH.

1835  

Am 2. September wird am Ufer des Muldenmühlengrabens in Schedewitz (Zwickau) die Kammgarnspinnerei Petrikowsky & Co., Schedewitz, gegründet.

Die Gründerfamilien waren:

  • Petrikowsky-Lindenau
  • von Leipziger
  • Haentze
1885  

Am 2. September begeht die Kammgarnspinnerei Petrikowsky & Co., Schedewitz ihr 50-jähriges Jubiläum.

1899  

Am 25. März Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft, die Kammgarnspinnerei Schedewitz AG.

Das Aktienkapital beträgt 2,5 Millionen Reichsmark.

1904  

Die Aktien werden erstmals an der Berliner Börse zugelassen.

Durch mehrere verheerende Hochwasserkatastrophen und durch den in Schedewitz betriebenen Kohlebergbau treten in den Folgejahren große Schäden an den Gebäuden und auf dem Gelände auf.

Als sich die Möglichkeit ergibt, das Fabrikgrundstück nebst Wasserkraft an den Erzgebirgischen Steinkohlebergbauverein in Zwickau, der für die Bergschäden teilweise verantwortlich ist, zu verkaufen, beschließt man einen Neubau auf ungefährdetem Gelände.

1921  

Die Kammgarnspinnerei Schedewitz kauft vom Rittergut Silberstraße (Wilkau-Haßlau) das heutige Gelände.

Der Umzug und der Neubau fällt in die Papiermarkzeit mit einer galoppierenden Geldentwertung und der Vernichtung aller in Geldwerten angelegten Vermögen.

1922  

Um den Neubau in Silberstraße zu finanzieren, wird am 7. Januar von der Kammgarnspinnerei Schedewitz AG die Aktiengesellschaft Kammgarnspinnerei Silberstraße gegründet.

1924  

Die Kammgarnspinnerei Silberstraße AG verpachtet die Fabrik in Silberstraße an die Kammgarnspinnerei Schedewitz AG, welche die gepachtete Fabrik betreibt.

Mit der Übernahme der Maschinen aus Schedewitz ist eine weitgehende Erneuerung des Maschinenparks verbunden.

1929  

Die Kammgarnspinnerei Schedewitz AG und die Kammgarnspinnerei Silberstraße AG vereinigen sich zur Kammgarnspinnerei Schedewitz AG mit Sitz in Silberstraße.

1935  

Am 2. September gestaltet die Kammgarnspinnerei Schedewitz AG ihr 100-jähriges Bestehen mit einer würdevollen Belegschaftsfeier.

1935-1939  

Während dieser Zeit werden folgende soziale Einrichtungen geschaffen:

  • Sportplatzanlage
  • Lehrwerkstatt
  • Werksbücherei
  • Werkskapelle
  • Volksmusikgruppe
  • warmes Mittagessen für 20 Pfennige
1943-1945  

Verschiedene Bereiche des Betriebes werden nach und nach von den Mitteldeutschen Motorenwerken und dem Werk Horch, Zwickau, belegt.

Es werden Motoren für Panzer hergestellt. Alle Arbeiten erfolgen in Form von Kriegsverpflichtungen.

1946  

Der 2. Weltkrieg ist zu Ende. Es gibt keine Kriegsschäden im Werk.

Am 1. Juli geht auf Befehl Nr. 124 des obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland das Unternehmen in Volkseigentum über und arbeitet für russische Dienststellen.

1951  

Am 1. Januar wird der Betrieb dem Ministerium für Leichtindustrie direkt unterstellt.

Es gibt weitere soziale Verbesserungen durch Einrichtungen wie:

  • Bäderanlage
  • Arztpraxis
  • Nähstube
  • Kindergarten
  • Turnhalle
  • Werksküche
  • Verkaufseinrichtung
  • Zahnarztpraxis
1953  

Gründung des VEB Zwickauer Kammgarnspinnereien durch Zusammenlegung der Zwickauer Kammgarnspinnerei Pölbitz, der Kammgarnspinnerei Lichtentanne und der Kammgarnspinnerei Schedewitz / Silberstraße.

Kapazität:   43.140 Spindeln

Belegschaft:   1254 Arbeiter, 74,3 Prozent Frauen
54 kaufmännische Angestellte
49 technische Angestellte
67 Lehrlinge

Produktion:   3,8 Millionen Kilogramm pro Jahr
1957  

Ab 1. April wird in der ZKS der Siebeneinhalb-Stunden-Tag bei einer Sechs-Tage-Arbeitswoche eingeführt.

1959-1963  

In diesen Jahren wird der Maschinenpark in Silberstraße umfassend erneuert.

Angeschafft werden:

  • 2 Vorspinnsortimente
  • 43 Ringspinnmaschinen
  • 4 Spulautomaten

Parallel dazu werden alle Selfaktoren und Werraspinnmaschinen verschrottet.

Die ersten Kinderferienlager und Ferienheime werden gekauft und eingerichtet.

1963  

Eine vierte Betriebsstätte, das Werk Hartmannsdorf, nimmt am 1. Mai die Produktion auf. Hergestellt werden Faservliese (Rimatex, Texotherm).

1969   Das ZKS-Werk in Silberstraße 1969, größer

Dieses Foto des Werks in Silberstraße entsteht 1969

1970  

Dem bestehenden Betrieb werden weitere Betriebe in Wilkau-Haßlau, Reichenbach, Gera und Teichwolframsdorf zugeordnet.

Es entsteht der Sozialistische Großbetrieb VEB Zwickauer Kammgarnspinnereien mit cirka 4000 Beschäftigten in 20 Betriebsstätten - die größte Kammgarnspinnerei der DDR, darunter Silberstraße als Vorzeigebetrieb.

1973  

Am 1. Juli wird das Ferienheim in Johanngeorgenstadt fertiggestellt. Es hat eine Kapazität von 40 Betten und wird mit einem Aufwand von cirka 750.000 Mark rekonstruiert.

1976  

Am 17. Mai wird der Neubau der Zentralen Lehrwerkstatt fertiggestellt, ein 3,5 Millionen-Mark-Objekt für die Ausbildung der Lehrlinge.

1981  

Im Verlauf des Jahres entstehen eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung und eine Musterspinnerei.

1985-1990  

In diesem Zeitraum werden in einigen Betriebsstätten des VEB Zwickauer Kammgarnspinnereien die Ausrüstungen grundlegend erneuert. Insgesamt werden dafür annähernd 300 Millionen Mark investiert.

Im Rahmen dieser Investitionen wird ein Großteil der Ausrüstungen im Betriebsteil Silberstraße erneuert, unter anderem der Konverter, die Ringspinnerei und Teile der Conerei.

Die Ausrüstungen stammen großteils aus Italien und Frankreich.

Außerdem werden 700 ausländische Arbeitnehmer eingestellt. Die Produktion des Gesamtunternehmens steigt auf 12.000 Tonnen Kammgarn pro Jahr.

1990  

Zur Zeit der Wende besteht die ZKS aus 20 Produktionsstätten mit 3900 Beschäftigten.

Am 23. Juni wird der VEB Zwickauer Kammgarnspinnereien in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt. Die Gesellschaftsanteile werden vollständig von der Treuhandanstalt Berlin übernommen.

Die Treuhandanstalt stuft das Unternehmen, bezogen auf einen Kernbereich, als sanierungsfähig ein. Sie unterstützt in der Übergangsphase das Unternehmen bei der Finanzierung von Betriebsmitteln und dringend notwendigen Ausrüstungsinvestitionen und bei der Umstellung auf die Marktwirtschaft.

Nach Stilllegung von 18 Betriebsstätten werden die modernsten Maschinen im Werk Silberstraße konzentriert. Die Produktion geht an den Standorten Silberstraße und Gera weiter.

1991  

Hans Wohlfart übernimmt den Vorsitz der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe Zwickauer Kammgarnspinnereien GmbH.

Der moderne Maschinenpark, die gute Bausubstanz in Silberstraße, die gut ausgebildeten und hochmotivierten Menschen sind die Basis für einen Neubeginn, der teilweise auch sehr leidvoll ist.

Die Motivation auf allen Ebenen steht unter dem Motto:

Wir begeben uns in die Marktwirtschaft. Wir werden uns dem äußerst harten Wettbewerb stellen und dafür müssen wir gut sein. Gemeinsam werden wir es schaffen, die Zukunft der ZKS zu sichern.
1993  

Im Frühjahr wird der operative Teil der Zwickauer Kammgarnspinnereien GmbH (Silberstraße und Gera) ausgegründet. Zu diesem Zweck wird mit Gesellschaftsvertrag vom 5. April die Zwickauer Kammgarn GmbH gegründet. Sie erwirbt das Produktions- und Handelsgeschäft von der Altgesellschaft. Die Altgesellschaft wird umbenannt und seit dieser Zeit liquidiert.

Um sanierungsfähige ostdeutsche Unternehmen umzustrukturieren und der Privatwirtschaft zuzuführen, wird von der Treuhandanstalt neben anderen die Schröder & Partner GmbH & Co. Management KG ins Leben gerufen. In diese Management KG wird auch die Zwickauer Kammgarn GmbH eingegliedert.

Ende des Jahres wird die Produktion im Betriebsteil Gera eingestellt und die Ausrüstung nach Silberstraße gebracht. Die Immobilie wird an die Altgesellschaft zurückverkauft.

1994 / 1995  

Seit Beginn des Jahres konzentriert sich die Geschäftstätigkeit der Zwickauer Kammgarn GmbH auf den Standort Silberstraße. Das Unternehmen ist eine der modernsten Kammgarnspinnereien.

Die Produktpalette setzt sich aus Garnen verschiedener Feinheiten und Effekten in folgenden Mischungen zusammen:

  • Polyester / Wolle, Acryl / Wolle, Polyamid / Wolle
  • reine Wolle
  • Wolle in Kombination mit wertvollen Rohstoffen wie Kaschmir und Seide

Die Garne werden sowohl in rohweiß wie auch in bunt geliefert.

Die ZKS spinnt innerhalb der Branche die feinsten Garne und vertreibt sie erfolgreich. Die damit verbundenen Anforderungen tragen dazu bei, dass der TÜV CERT im Mai 1995 nach nur neun Monaten das Qualitätsmanagementsystem der ZKS nach DIN EN ISO 9002 zertifiziert.

Zur Absicherung der geplanten Steigerung des Produktionsvolumens erschließt die ZKS ein neues Marktsegment: Sie übernimmt von der Spinnerei Forchheim GmbH das Kammgarn-Strickgarnprogramm und pachtet die dafür benötigte Färberei in Münchberg.

1995  

Im September begeht das Unternehmen das 160. Firmenjubiläum.

1996  

In Silberstraße wird in Zusammenarbeit mit der Firma Thiess, Coesfeld, eine automatische Horizontal-Kreuzspul- und Kammzugfärberei errichtet. Sie wird im Sommer 1997 in Betrieb genommen. Der Pachtvertrag mit der Spinnerei Forchheim AG wird gekündigt.

1998  

Im Juni übernimmt Siegfried von Roth die Geschäftsführung der Zwickauer Kammgarn GmbH von Hans Wohlfart.

2001  

In der Spinnerei und Färberei in Wilkau-Haßlau (Kreis Zwickauer Land) sind rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. Im Juli expandiert die Zwickauer Kammgarn als erstes ostdeutsches Spinnerei-Unternehmen nach Osteuropa. Die Firma übernimmt die erst 1998 errichtete Kammgarnspinnerei der süddeutschen Leuze Textil GmbH im tschechischen Miletín bei Liberec. Damit verbessert die ZKS die Wettbewerbsposition auf den internationalen Märkten nachhaltig.

2004  

Im April werden das Qualitäts- und Umweltmanagementsystem nach den Normen DIN EN ISO 9001:2000 und DIN EN ISO 14001 neu zertifiziert.

Zur weiteren Stärkung der Wettbewerbsposition investiert das Unternehmen in erheblichem Maße in den Aufbau des Geschäftsfeldes Technische Garne. Trotz erster Erfolge in diesem Bereich werden im Zusammenhang mit der Entwicklung auf den internationalen textilen Märkten die Kapazitäten der Kammgarnspinnerei an die Nachfragesituation angepasst. Die Gesamtkapazität wird um cirka 400 Tonnen pro Jahr reduziert.

Im Dezember wird die neue Spinntechnologie WinSpin (entwickelt von der Firma Saurer) in Betrieb genommen. Gegenüber der herkömmlichen Technik spart WinSpin mehrere Produktionsschritte ein. Durch die Konzentration auf eine einzige Produktionsstufe steigt die Produktivität. Dies ermöglicht eine kostengünstigere und somit wettbewerbsfähigere Produktion in Deutschland.

2005  

170. Firmenjubiläum.

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